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Herzkissen

Ein Herz für Brustkrebspatientinnen

Wofür ein Herzkissen?

Das Kissen in Herzform ist aus Baumwollstoff gefertigt und mit 170 Gramm synthetischer Stopfwatte gefüllt. Es hat extra lange „Ohren“ und wird mit der Spitze nach unten in die Achselhöhle gelegt. Nancy Friis-Jensen schreibt, dass das Kissen Schmerzen lindert, Ziehen und Spannen nach Brustoperationen lindert, vor Druck schützt, Verspannungen der Schulter verhindert und Schwellungen unter dem Arm reduziert. Es kann auch beim Autofahren benutzt werden, um den Druck des Sicherheitsgurts zu mindern, und es bietet einen gewissen Schutz vor plötzlichen Bewegungen oder Stössen. Das Kissen erfüllt aber noch einen weiteren Zweck. Es ist ebenso ein Zeichen der Solidarität und der seelischen Unterstützung von Brustkrebs-Patientinnen.

Durch das Engagement von Nancy Friis-Jensen wurde das Projekt europaweit verbreitet. Die Herzkissen werden ehrenamtlich von Frauen in Nähkreisen oder Kirchgemeinden mit viel Liebe genäht. Anschliessend werden die Kissen von den Pflegefachfrauen, die an Brustkrebs erkrankte, frischoperierte Frauen betreuen, verschenkt. Die Patientinnen können das Kissen mit nach Hause nehmen und behalten. Das Kissen ist bei 40 Grad waschbar – die hygienischen Voraussetzungen aus Sicht der Spitalhygiene sind somit erfüllt.


Herzkissen auch in der Schweiz

Die Herzkissen werden inzwischen auch in Österreich, Deutschland, Griechenland und in der Schweiz hergestellt und verteilt. Neben den Kantonsspitälern Aarau und Baden sowie dem Bethesda-Spital Basel engagiert sich auch das Brustzentrum des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) für dieses Projekt. Der Vertrieb der Kissen im KSSG läuft über Kathrin Kurth. Sie ist die Ideenträgerin für die Deutschschweiz und verbreitet die Idee mit grossem Engagement. Sie freut sich über jeden Kontakt. Auf den unten erwähnten Websites sind Anleitungen zu finden, wie das Kissen genäht wird. Die Näherinnen und ein Sponsor stellen die Stoffe zur Verfügung, Stopfmaterial und Porto werden aber bisher von Kathrin Kurth selbst aufgebracht. Weitere Sponsoren sind jederzeit sehr willkommen.

Sarah Stoll
zu Verfügung gestellt
15. November 2013

Weitere Webseiten:

zur Person

Sarah Stoll

Frau Sarah Stoll ist Fachleiterin Pflege Breast Care (Breast Care Nurse) im Brustzentrum St.Gallen.

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Leben mit Knochenmetastasen

Der Weg einer Patientin durch die Krankheit

Die Krankheit schlug unerbittlich und schnell zu. In den Sommerferien hatte sie plötzlich starke Rückenschmerzen, konnte sich nicht mehr richtig bewegen und kaum mehr bücken. „So etwas kannte ich gar nicht“, erzählt die Patientin*, eine drahtige, sportliche Frau. Nach den Ferien erhielt sie dann die niederschmetternde Diagnose: Knochenmetastasen! „Nichts war mehr so wie früher.“ Dass es gerade sie treffen könnte, dachte sie nie; sie war erblich nicht vorbelastet. Die Verhärtung in der Brust war ihr nicht aufgefallen, ebenso wenig wie der Knoten unter dem Arm.


Loslassen und auf den Körper eingehen

„Ich habe nur kurz daran gedacht, dass meine Krankheit eigentlich unheilbar ist“, sagt die frühere Arzthelferin. Klar habe sie extreme Tiefs gehabt und manchmal geweint. „Relativ schnell habe ich dann aber beschlossen, die Krankheit anzunehmen. Nicht mit dem Schicksal zu hadern, loszulassen und auf den Körper einzugehen, hat mir Kraft verliehen“, erklärt die 58-Jährige, von der man sagt, sie habe eine starke Persönlichkeit.

Geholfen hat ihr, dass Lunge, Leber und Nieren frei von Metastasen sind. Und dass sie viel über Psychologie weiss. „Ein Stück weit kann man selber beeinflussen, wie gut es einem geht.“ Wichtig sei natürlich die Unterstützung durch das private und berufliche Umfeld. Und sowohl bei ihrem Hausarzt wie auch bei Dr. med. Rudolf Morant im Tumorzentrum Rapperswil fühlte sie sich sehr gut aufgehoben. „Mir hat nie ein Arzt gesagt, meine Krankheit sei hoffnungslos oder nicht behandelbar.“


Erste Behandlung hat gewirkt

Die Rückenschmerzen hat sie mit morphinhaltigen Schmerzpflastern und Schmerzmitteln behandelt. Gleichzeitig wollte sie sofort gegen die Krankheit ankämpfen und „alles tun, was nötig ist.“ Ihr wurde eine Chemotherapie im Abstand von drei Wochen verordnet. Zudem erhielt sie eine Injektion zum Schutz der Knochen vor einem weiteren Abbau durch Metastasen. „Ich hatte ein riesiges Glück, dass bereits die erste Behandlung angeschlagen hat.“ Die Rückenschmerzen klangen ab, die Verhärtung in der Brust wurde kleiner.

Doch Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Verdauungsprobleme, Haarausfall und Müdigkeit haben ihr stark zugesetzt. „Der eigene Körper wird einem fremd.“ Tagebuchschreiben, Meditationen und Bewusstseinsübungen haben ihr geholfen, die Nebenwirkungen der Chemo zu verarbeiten. Und sich vorzubereiten auf die Operation, bei der sie eine Brust verlieren wird. „Ich vertraue auf eine gute Rekonstruktion.“ Was aber nicht heisst, dass sie sich der Medizin ausliefern will. So hat sie zum Beispiel „wegen eines negativen Gefühls im Bauch“ den Chirurgen gewechselt. „Wichtig ist, bei der Therapie mitzuhelfen und auch selber Verantwortung zu übernehmen.“

Rolf Zenklusen
Freier Journalist

15. Januar 2014

* Auf Wunsch der betroffenen Person wurde der Beitrag anonymisiert.

Wir bedanken uns für die Schilderung Ihrer persönlichen Erlebnisse.

zur Person

Dr. med. Rudolf Morant

Dr. Rudolf Morant ist Facharzt FMH für Onkologie-Hämatologie. Medizinischer Leiter des Tumorzentrums ZeTuP St. Gallen, Rapperswil und Chur, eine Gruppenpraxis mit sieben medizinischen Onkologen, Chirurgin (Mammachirurgie) und zwei Gynökologen/Gynäkologin mit Forschungsteil.

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