Bedeutung von Knochenmetastasen

Entstehung und Auswirkung

Normalerweise verlassen Zellen ihren Zellverband nicht – Krebszellen lösen sich jedoch unter ungünstigen Bedingungen aus ihrem Zellverband und gelangen in die Blut- oder Lymphbahnen. Isolierte Zellen können nicht überleben und sterben nach einiger Zeit ab. Auch fürs Überleben muss die Tumorzelle daher eine besondere Fähigkeit entwickeln. Die Tumorzellen werden im Blut- oder Lymphgefässsystem weitertransportiert und dringen eventuell in andere Gewebe ein. Gelingt einer Tumorzelle diese Ansiedlung, wird sie sich teilen und eine Tochtergeschwulst bilden. „Doch nicht jede Tumorzelle ist in der Lage, Metastasen zu bilden. Dies ist nur den „Tumorstammzellen“ vorbehalten, und auch diese finden nur selten die idealen Bedingungen für die Metastasierung“, so Dr. Christa Baumann.

Man spricht von regionalen Metastasen, wenn sich diese in benachbarten Organen, beispielsweise in den Lymphknoten ausbilden und von Fernmetastasen, wenn sie weiter entfernt vom Ursprungsort des Tumors wachsen. Wo sich die Fernmetastasen bilden, hängt unter anderem vom ursprünglichen sogenannten Primärtumor ab. Bei Brustkrebs finden sich Tumorzellen zunächst meist in den Lymphknoten der Achselhöhle. Breitet sich die Erkrankung weiter aus, entstehen Metastasen vorwiegend in den Knochen, der Leber, der Lunge, im Gehirn oder auch in der Haut.


Metastasen stören die Knochenerneuerung

Knochenmetastasen wachsen bevorzugt in den gut durchbluteten Skelettabschnitten, beispielsweise im Schädel, den Wirbelkörpern, im Becken oder den Knochen der Oberarme und Oberschenkel. Gelingt es der Tumorzelle, sich im Knochenmark anzusiedeln und zu wachsen, wird sie im Laufe der Zeit die benachbarte Knochensubstanz verdrängen. Die Krebszellen produzieren „Botenstoffe“, die das Gleichgewicht der Knochenerneuerung stören. Diese wirken entweder hemmend (osteolytisch) oder fördernd (osteoplastisch) auf den Knochenaufbau. Beides führt letztendlich dazu, dass die Stabilität der Knochen abnimmt. Bei durch Brustkrebs verursachten Knochenmetastasen haben die meisten Patientinnen osteolytische Metastasen; rund 20 Prozent sind osteoplastisch.


Medikamente lindern die Beschwerden

Oft machen die Metastasen keine Probleme. Wenn sie weiter wachsen, können sie jedoch zu Nerveneinengungen, Minderdurchblutung und Entzündungsreaktionen führen.

Treten Schmerzen auf, ist die Krebserkrankung meist schon fortgeschritten. Gelegentlich ist auch der Calciumspiegel im Blut stark erhöht, was vermehrte Müdigkeit hervorrufen kann. Mittlerweile gibt es viele Medikamente, die diese Symptome lindern und auch das Tumorwachstum hemmen können.

In der Regel werden Knochenmetastasen bei Brustkrebs mit einer Hormon-, einer Chemo- oder einer spezifischen Immuntherapie behandelt. Dabei werden die Knochenmetastasen entsprechend ihrem Primärtumor – oder nach Bestimmung der Gewebeentnahme einer Metastase – therapiert.


Der Calciumspiegel muss kontrolliert werden

Zusätzlich können Bisphosphonate gegeben werden. Dies sind Medikamente, die sich im Knochen anlagern und dadurch die knochenabbauenden Zellen hemmen. Die Knochenschmerzen nehmen dann rasch ab. Mit dem Wirkstoff Denosumab steht seit kurzem ein Antikörper zur Verfügung, der den Knochenabbau ähnlich wie die Biphosphonate reduzieren kann. Hierzu hemmt der Antikörper das sogenannte RANK-Ligand Protein, das für die Bildung, die Funktion und das Überleben von Osteoklasten (Knochen abbauende Zellen) wichtig ist „Während der Therapie mit Biphosphonaten bzw. Antikörper kann der Calciumspiegel im Blut sehr stark absinken und muss daher überwacht und entsprechend reguliert werden“, betont Dr. Baumann.

Durch eine Strahlentherapie können die Patienten zwar nicht geheilt werden, jedoch werden bei circa 70 Prozent die Schmerzen über eine längere Zeit deutlich gemindert. Bestrahlt wird in der Regel täglich maximal vier Wochen lang. Nebenwirkungen sind dabei sehr selten.

Bei Schmerzen, ausgelöst durch einen eingebrochenen Wirbelkörper, kann es hilfreich sein, diesen mit einer Zement-Injektion zu stabilisieren.

Karin Storz
Freie Journalistin
Ihr Tipp:

Wenn die Patientin nur Knochenmetastasen hat, ist die Prognose sehr oft gar nicht so schlecht, und es sollte ihr ein gesundes und aktives Leben möglich sein. Sie soll ihre Knochenmetastasen behandeln lassen, bis sie beschwerdefrei ist. Es gibt vielfältige Ansatzpunkte in der Behandlung von Knochenmetastasen, welche die Patientin ausnützen kann.

zur Person

Dr. med. Christa K. Baumann

Dr. Christa K. Baumann ist Fachärztin FMH für Onkologie und Innere Medizin. Seit 2010 arbeitet sie als Mitglied des Ärzteteams PROlindo am Lindenhofspital in Bern. Zuvor war sie als Oberärztin mit den Schwerpunkten Brustkrebs und gynäkologische Onkologie im Inselspital Bern tätig.

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Leben mit Knochenmetastasen

Der Weg einer Patientin durch die Krankheit

Die Krankheit schlug unerbittlich und schnell zu. In den Sommerferien hatte sie plötzlich starke Rückenschmerzen, konnte sich nicht mehr richtig bewegen und kaum mehr bücken. „So etwas kannte ich gar nicht“, erzählt die Patientin*, eine drahtige, sportliche Frau. Nach den Ferien erhielt sie dann die niederschmetternde Diagnose: Knochenmetastasen! „Nichts war mehr so wie früher.“ Dass es gerade sie treffen könnte, dachte sie nie; sie war erblich nicht vorbelastet. Die Verhärtung in der Brust war ihr nicht aufgefallen, ebenso wenig wie der Knoten unter dem Arm.


Loslassen und auf den Körper eingehen

„Ich habe nur kurz daran gedacht, dass meine Krankheit eigentlich unheilbar ist“, sagt die frühere Arzthelferin. Klar habe sie extreme Tiefs gehabt und manchmal geweint. „Relativ schnell habe ich dann aber beschlossen, die Krankheit anzunehmen. Nicht mit dem Schicksal zu hadern, loszulassen und auf den Körper einzugehen, hat mir Kraft verliehen“, erklärt die 58-Jährige, von der man sagt, sie habe eine starke Persönlichkeit.

Geholfen hat ihr, dass Lunge, Leber und Nieren frei von Metastasen sind. Und dass sie viel über Psychologie weiss. „Ein Stück weit kann man selber beeinflussen, wie gut es einem geht.“ Wichtig sei natürlich die Unterstützung durch das private und berufliche Umfeld. Und sowohl bei ihrem Hausarzt wie auch bei Dr. med. Rudolf Morant im Tumorzentrum Rapperswil fühlte sie sich sehr gut aufgehoben. „Mir hat nie ein Arzt gesagt, meine Krankheit sei hoffnungslos oder nicht behandelbar.“


Erste Behandlung hat gewirkt

Die Rückenschmerzen hat sie mit morphinhaltigen Schmerzpflastern und Schmerzmitteln behandelt. Gleichzeitig wollte sie sofort gegen die Krankheit ankämpfen und „alles tun, was nötig ist.“ Ihr wurde eine Chemotherapie im Abstand von drei Wochen verordnet. Zudem erhielt sie eine Injektion zum Schutz der Knochen vor einem weiteren Abbau durch Metastasen. „Ich hatte ein riesiges Glück, dass bereits die erste Behandlung angeschlagen hat.“ Die Rückenschmerzen klangen ab, die Verhärtung in der Brust wurde kleiner.

Doch Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Verdauungsprobleme, Haarausfall und Müdigkeit haben ihr stark zugesetzt. „Der eigene Körper wird einem fremd.“ Tagebuchschreiben, Meditationen und Bewusstseinsübungen haben ihr geholfen, die Nebenwirkungen der Chemo zu verarbeiten. Und sich vorzubereiten auf die Operation, bei der sie eine Brust verlieren wird. „Ich vertraue auf eine gute Rekonstruktion.“ Was aber nicht heisst, dass sie sich der Medizin ausliefern will. So hat sie zum Beispiel „wegen eines negativen Gefühls im Bauch“ den Chirurgen gewechselt. „Wichtig ist, bei der Therapie mitzuhelfen und auch selber Verantwortung zu übernehmen.“

Rolf Zenklusen
Freier Journalist

15. Januar 2014

* Auf Wunsch der betroffenen Person wurde der Beitrag anonymisiert.

Wir bedanken uns für die Schilderung Ihrer persönlichen Erlebnisse.

zur Person

Dr. med. Rudolf Morant

Dr. Rudolf Morant ist Facharzt FMH für Onkologie-Hämatologie. Medizinischer Leiter des Tumorzentrums ZeTuP St. Gallen, Rapperswil und Chur, eine Gruppenpraxis mit sieben medizinischen Onkologen, Chirurgin (Mammachirurgie) und zwei Gynökologen/Gynäkologin mit Forschungsteil.

UNTERNEHMENSBEITRAG

„Wirklich happy mit dem ganzen Prozedere“

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